Eine Unternehmensnachfolge planen – das klingt nach Bilanzen, Bewertungen und Bankgesprächen. Aber es gibt eine Leerstelle, die fast alle übersehen: Wie digital ist das Unternehmen eigentlich aufgestellt?
Die meisten KMU stecken bei der Digitalisierung noch am Anfang. Und trotzdem taucht dieser Punkt im Kaufpreis nicht auf. Das ist gefährlich – für beide Seiten. Denn Digitalisierung kostet. Und je länger du wartest, desto teurer wird es.
Eine Nachfolge braucht Jahre. Du planst, verhandelst, regelst Finanzen, Recht, Emotionen. Das ist ein langsamer Prozess – und das ist auch okay.
Aber die Digitalisierung läuft nicht in deinem Tempo. Sie läuft in ihrem eigenen. Tools verändern sich. KI wird Standard. Kunden erwarten digitale Prozesse. Und der Markt wartet nicht, bis dein Nachfolger übernommen hat.
Dieser Satz fällt oft. Und er klingt logisch. Ist er aber nicht.
Digitalisierung ist kein Projekt, das du jemandem überreichen kannst wie einen Ordner. Es geht um Prozesse, Arbeitsweisen, Denkweisen. Das braucht Zeit, Geld und klare Entscheidungen. Wer das auf den Nachfolger abschiebt, übergibt kein Lebenswerk – sondern eine Baustelle.
Wer ein Unternehmen kauft, ohne auf die digitale Reife zu schauen, kauft eine Katze im Sack. Die Systeme sind veraltet. Die Prozesse laufen manuell. Und die Kosten, um das aufzuholen, können den Kaufpreis schnell übersteigen.
Konkret: Du zahlst 500'000 Franken für ein Unternehmen. Dann stellst du fest, dass du nochmal 150'000 brauchst, um die IT auf einen Stand zu bringen, der heute Standard ist. Das steht in keiner Bilanz.
Was vor 2 Jahren noch Zukunftsmusik war, ist heute Alltag. KI schreibt Protokolle, sortiert Rechnungen, beantwortet Kundenanfragen. Unternehmen, die das nutzen, arbeiten schneller und günstiger.
Unternehmen, die noch auf Papier, Excel und «das haben wir immer so gemacht» setzen, verlieren den Anschluss. Nicht irgendwann – jetzt.
Das Nachrüsten ist kein Knopfdruck. Du brauchst die richtigen Leute, die richtigen Tools und eine klare Strategie – alles Dinge, die Zeit brauchen, die im Nachfolgeprozess sowieso knapp ist.
Das muss man klar sagen: Viele Berater, die Nachfolgen begleiten, unterschätzen die Digitalisierung. Nicht aus bösem Willen – aber aus fehlendem Verständnis.
Die Bewertungsmodelle sind oft noch auf klassische Kennzahlen ausgelegt. Umsatz, EBIT, Eigenkapital. Alles wichtig. Aber ob das Unternehmen mit einem CRM aus den 2000er-Jahren arbeitet oder mit einem modernen, cloud-basierten Arbeitsplatz – das fliesst nirgends ein.
Die Folge: Der Kaufpreis bildet die Realität nicht ab. Weder für den Verkäufer noch für den Käufer.
Bei jeder Unternehmensbewertung im Rahmen einer Nachfolge muss der Digitalisierungsgrad auf den Tisch. Konkret heisst das:
Diese Punkte gehören nicht ins Kleingedruckte. Sie gehören in den Kaufpreis.
Wenn du ein Unternehmen übergibst
Fang jetzt an mit der Digitalisierung. Nicht weil es trendy ist – sondern weil es den Wert deines Unternehmens erhält. Jedes Jahr, das du wartest, kostet dich beim Verkauf bares Geld. Du musst nicht alles auf einmal machen. Aber du musst anfangen. Ein sauberer digitaler Arbeitsplatz, klare Prozesse, aktuelle Systeme – das sind die Basics.
Wenn du ein Unternehmen übernimmst
Frag nach. Schau genau hin. Lass dir zeigen, welche Tools im Einsatz sind, wie die Daten organisiert sind und wo noch Papier im Spiel ist. Und rechne die Kosten für die Digitalisierung in deine Kalkulation ein – bevor du unterschreibst.
Wenn du als Treuhänder oder Banker berätst
Hol dir Unterstützung von Leuten, die Digitalisierung verstehen. Nicht als Nice-to-have – sondern als festen Bestandteil der Bewertung. Deine Verantwortung ist es, ein realistisches Bild zu liefern. Dazu gehört heute auch der digitale Zustand eines Unternehmens.