Das Internet ist kein sicherer Ort

Experten schätzen, dass fast die Hälfte der Nutzer keine geeigneten Massnahmen ergreift, um ihre Computer, Tablet-PCs und Smartphones vor Gefahren zu schützen. Diese Nachlässigkeit ist der Nährboden, auf dem digitale Schädlinge gedeihen. Das World Wide Web wurde ursprünglich als offenes, lose verknüpftes Computernetzwerk zum Austausch von Ideen und Informationen erdacht. Daten wie persönliche E-Mails oder Online-Bestellungen reisen durch eine ständig wechselnde Reihe von Computern und Netzwerkverbindungen. Skrupellose Hacker und Betrüger haben viele Möglichkeiten, diese Informationen abzufangen und zu verändern. Da es praktisch nicht möglich ist, jeden mit dem Netzwerk verbundenen Computer zu sichern, wird es wahrscheinlich immer ein schwaches Glied in der Kette des Datenaustauschs geben.

Computer-Viren und Würmer sind wahrscheinlich die häufigsten und bekanntesten Ursachen für Computerprobleme. Ein Virus bzw. Wurm ist ein selbst replizierendes Programm, das auf Computern und in Netzwerken eingeschleust wird und unerwünschte Änderungen am gesamten System vornehmen kann. Einige Viren machen die installierte Software unbrauchbar oder verschlüsseln Ihre private Daten mit einem Passwort. Im schlimmsten Fall ist die ganze Festplatte nutzlos. Viren und Würmer verbreiten sich schnell und arbeiten im Hintergrund, sodass sie oft erst bemerkt werden, wenn der Schaden bereits angerichtet ist. Eine andere Art von schädlicher Software ist sogenannte Spyware, die Benutzer ausspioniert. Sie sammelt Daten über Ihre Geräte- und Webnutzung für Marketing-Zwecke. Zu den gefährlichsten Spionen gehören sogenannte Keylogger. Sie zeichnen die Tastaturanschläge auf, wenn Sie ein Passwort eingeben, und übertragen sie an Hacker. Damit können Hacker Benutzerkonten knacken oder Identitäten stehlen, um Straftaten zu begehen. Antivirensoftware und Firewalls können Ihren Computer durch die Überwachung von Systemprozessen und das Scannen von Dateien schützen, wenn diese aufgerufen oder heruntergeladen werden.

Die Zukunft des Internets ist… unsicher

Wahrscheinlich haben Sie schon Antivirensoftware und Firewalls auf Ihren PCs installiert. Aber was ist mit Ihren Smartphones und Tablets? Was ist mit Fernsehern, Ihrem Amazon Echo, Sicherheitskameras und Babymonitoren? Tatsache ist, das alle internetfähigen Geräte in Ihrem Haus anfällig für Angriffe sind. Wenn Hacker erst in ein System eingedrungen sind, ist es für sie sehr einfach, eine Webcam oder ein Mikrofon einzuschalten und alles aufzuzeichnen, was in der Nähe geschieht oder gesagt wird. Viele Menschen wissen nicht, wie verwundbar alle diese Geräte sein können.

Mit neuen Technologien entstehen auch neue Gefahren. Die Experten der NASA warnen gar vor „dem Internet der gefährlichen Dinge“. Wie real die Bedrohung ist, zeigte sich Ende 2016, als „Mirai“ sein schädliches Werk begann. Mirai – ein Name, der im Japanischen sinnigerweise „Zukunft“ bedeutet – ist ein Netzwerk aus unsicher konfigurierten IoT-Geräten wie Kaffeemaschinen, Toastern und IP-Kameras. Mirai suchte und infizierte gezielt Geräte, deren Passwort noch nie geändert wurde. So entstand ein globales „Botnetz“ von fast 500.000 Zombie-Geräten, die daraufhin koordinierte Angriffe gegen die Infrastruktur der Cyberwelt ausführten. Diese Angriffe hatten grössere Ausfälle und Störungen zahlreicher populärer Dienste wie Amazon, Netflix, Twitter und Github zur Folge.

Mirai nutzte eine Schwäche der IoT-Geräte: Im Wettbewerb um „intelligente“ Geräte für den Massenkonsum hat man sich wohl wenig Gedanken über die Gefahren gemacht. Das wiederum bedeutet ein erhöhtes Risiko für unsere Heime. Aber nicht nur dort, denn auch der öffentliche Raum wird zunehmend mit Inspektionsdrohnen, Verkehrsmonitoren oder Parksensoren überwacht. Ab 2019 ist die Netzwerkfähigkeit von Neuwagen Pflicht. Es stellt sich die Frage, wie Autobauer für Sicherheit garantieren können, wenn selbst Softwarekonzerne damit Probleme haben. Bewährte Konzepte müssen völlig neu überdacht werden.