Challenger Banken - Wie sie funktionieren und wer profitiert

Der Aufbruch in die digitale Gesellschaft ist das grosse Thema, das die Geschäfts- und Finanzwelt seit mindestens zwei Jahrzehnten umtreibt. Crowdfunding, mobiles Bezahlen und die Digitalisierung von Banken und Bankgeschäften sind dabei essenzieller Bestandteil dieser Entwicklung, die sich unter dem Begriff Finanztechnologie (FinTech) einen Namen gemacht hat. Digitale Finanzdienstleistungen und Bankmodelle sind dabei ein besonderer Wachstumsmarkt und locken den potenziellen Onlinekunden mit neuen und kostengünstigen Möglichkeiten individuellen Bankings.

Der Sprung ins Digitalgeschäft ist für traditionelle Banken wegen ihrer gewachsenen Strukturen als Unternehmen allerdings schwierig und mit langwierigen Umstrukturierungsmassnahmen verbunden. Diese Umstrukturierungsmassnahmen geschehen meist unter dem harten Konkurrenzdruck neuer Direktbanken (Online Bank ohne eigenes Filialnetz), die als Startups oder Neugründungen bereits die fertige Infrastruktur mitbringen und bessere Chancen haben sofort transparente und kostengünstige Digitalleistungen anzubieten. Das Modell dieser neu entstehenden Digitalbanken ist auf niedrige Gebühren, Transparenz und schnellen Zugriff über das Smartphone ausgerichtet, verspricht aber gleichzeitig optimale Kundenorientierung auch ohne persönlichen Berater. Da diese Bankform die traditionellen Banken auf dem Wettbewerbsmarkt um Bankkunden herausfordert, spricht man auch von "Challenger Banken".

Wie funktionieren Challenger Banken?

Das Herz dieser neuen Bankform besteht aus der von der jeweiligen Bank zum Download angebotenen App. Durch die Auswertung des Datenstroms, den der User verursacht, können die jeweiligen Bedürfnisse ausgelesen werden. Das beginnt bereits mit der Frage nach dem zur Verfügung stehenden Kapital, denn verschiedene Vermögen bieten verschiedene Investmentmöglichkeiten. Die App ordnet den jeweiligen Kunden in eine Vermögensgruppe ein und schlägt dementsprechend Finanzdienstleistungen vor, die exakt dieser Gruppe entsprechen. Der Unterschied zum klassischen Retail-Banking besteht darin, dass nicht mehr ein persönlicher Kundenberater dem Kunden gegenüber steht, sondern ein Algorithmus die jeweiligen Bedürfnisse des Kontoinhabers ermittelt. Gleiches gilt für die allgemeinen Präferenzen des Kunden. Die App auf dem Smartphone liest das Nutzerverhalten aus und passt die vorgeschlagenen Angebote genau an dieses Verhalten an. Wer sich also beispielsweise für Aktienfonds, Staatsanleihen oder auch günstige Kredite interessiert, wird gezielt über diese Produkte informiert. Zusätzlich werden online verschiedene Versicherungsleistungen angeboten, über die sich der Kunde umfassend informieren kann.  

Wer profitiert von den neuen Direktbanken?

Ein eindeutiger Vorteil dieser Bankmodelle liegt in den geringen Kosten für den Endnutzer. Kontoführungsgebühren inkl. Kredit- und Debitkarten, die rund CHF 200.00 bis CHF 300.00 ausmachen können, fallen bei Digitalbanken weitaus geringer aus.

Eine Herausforderung für Challenger Banken selbst besteht allerdings darin auch User fortgeschrittenen Alters anzusprechen. "Digital Immigrants", also Personen, die nicht mit digitaler Technik aufgewachsen sind und sogenannte "Silver Surfer", Internetnutzer zwischen 50 und 75 Jahren, machen rund die Hälfte des Marktes in der Schweiz aus. Hier zeigt sich ein kompliziertes Problem: Selbst wenn die neuen digitalen Banken Apps entwickeln, deren intuitive Bedienung auf diese Zielgruppe abzielt, ist es marketingtechnisch schwierig diese Gruppe zu erreichen. Denn ein Grundpfeiler der günstigen Angebote der Unternehmen basiert auf den niedrigen Personalkosten und der Ausrichtung auf den Online-Markt. Da dieses Segment aber auch nach wie vor persönliche, traditionelle Beratung erwartet und bevorzugt, sind Digitalbanken oft auch gar nicht die beste Wahl. Im Segment der jüngeren "Digital Natives" hingegen ist das Potenzial für beide Seiten gross. Insbesondere die junge Smartphone Generation ist durch die regelmässige Nutzung von online Banking, Zahlungsverkehr mit Maestro und Kreditkarte sowie einem hohen Grad an Bereitschaft zur Selbstinformation eher die geeignete Zielgruppe. 

Die Zahl der Anbieter in der Schweiz wächst

Zwar stellte das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern IFZ in ihrer "Retail Banking-Studie 2017" fest, dass bisher tatsächlich nur wenige Schweizer ihre Bank wechseln, die Branche bleibt aber unter anderem wegen der sich ändernden Altersstruktur und dem Wachsenden digitalen Know-How der Bevölkerung optimistisch. Im Land gibt es zurzeit mit Zak und Neon zwei Challenger-Banken die ein einlagengesichertes Konto bis CHF 100’000 anbieten, wobei sich Neon noch in der Betaphase befindet und bisher nur mit Maestrokarte genutzt werden kann – die Kreditkartennutzung ist hier für 2019 angekündigt. Mit Revolut und Transferwise sind schon zwei internationale Smartphone Banken auf dem Schweizer Markt tätig. Wer im Ausland oder im Internet nicht auf den Interbankenwechselkurs und niedrige Transaktionsspesen verzichten will, kann eine Prepaid Kreditkarte über die App innerhalb 5 Minuten beantragen. Mit N26 aus Deutschland und Yapeal aus der Schweiz stehen schon die nächsten Challenger-Banken in den Startlöchern welche den Schweizer Markt erobern möchten. Dabei ist das Prinzip bisher immer das Gleiche: Das Grundpaket mit den Debit- und Kreditkarten ist kostenlos.

VIAC bietet ausserdem ein 3a Vorsorgekonto das in 3 Minuten eingerichtet und konkurrenzlos günstig ist.

Die Schweiz macht so insgesamt einen weiteren Schritt in Richtung digitale Gesellschaft.